„Lean-Construction, das bedeutet für uns in Prozessen zu denken und dabei Verschwendung zu identifizieren und zu vermeiden“, erklärt Linda Sehlbach, die bei Bauwens im Prozessplanung- und Controlling arbeitet. Bereits im Jahr 2013 hat Bauwens mit ersten Pilotprojekten die Anwendung der Lean-Prinzipien im Baubereich getestet. Und zwar erfolgreich: „Deshalb setzen wir bei allen unseren neuen Projekten konsequent auf Lean-Construction“, so Laura Neuhoff, Teamleiterin der Abteilung.

„Wir glauben, dass es im Zeitalter von Industrie 4.0 wichtiger denn je ist, die Grundphilosophie des Lean in die Praxis umzusetzen – also sich ständig zu hinterfragen und kurzzyklisch weiter zu entwickeln“, erklärt Kevin Mattiszik, Geschäftsführer bei Bauwens und Leiter des Bereichs Unternehmensentwicklung und -strategie. „Die konsequente Anwendung unseres Prozesssystems ermöglicht uns skalierbares Unternehmenswachstum. Wodurch wir unsere Zukunft sichern.“

Lean-Construction: Wie ein Fließband, nur umgedreht

Aber was bedeutet das eigentlich konkret für unseren Bauprozess? „Den Kern von Lean-Construction auf unseren Baustellen bildet aktuell die Taktplanung und -Steuerung“, sagt Sehlbach. „Wir setzen uns bereits in einem ganz frühen Projektstadium mit allen Beteiligten hin und überlegen uns, wie wir Roh- und Ausbau koordinieren können.“ Analog zur Automobilindustrie, in der die Lean-Methodik ursprünglich zu Hause ist, werden bei den Projekten Losgrößen definiert. Bei Autoherstellern ist das immer ein einzelnes Auto, bei uns zum Beispiel vier bis sechs Wohnungen. Das nennen wir Taktbereich. Das geschieht im sogenannten Austaktungsworkshop.

„Das Prozesssystem ermöglicht uns skalierbares Unternehmenswachstum“

Kevin Mattisik,
Geschäftsführer Bauwens Construction, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung und -strategie

Sehlbach: „Vom Prinzip her kann man sich das vorstellen wie ein Fließband.“ Nur, dass auf Baustellen nicht das Produkt wie ein Auto an den einzelnen Arbeitsstationen vorbeifährt. Für Lean-Construction muss das Prinzip umgedreht werden. Hier fahren die Arbeitsstationen – oder besser gesagt die Gewerke wie Trockenbau oder Elektro – durch das Gebäude und verrichten Abschnitt für Abschnitt ihre Arbeit. Bei dem Workshop wird ein Terminplan aufgestellt. „Darin legen wir auf Wochenbasis fest, welche Arbeiten zu erledigen sind“, erklärt Sehlbach. „Mit diesem gehen wir auch in die Vergaben.“ Während der Bauphase wird dieser Plan täglich mit dem Ist-Zustand abgeglichen.

„Aber Lean-Construction ist bei uns mehr als Taktplanung- und Steuerung“, so Sehlbach. „Es ist ein ganzer Werkzeugkasten mit verschiedenen Methoden.“ Zu diesen gehört auch das Thema Building Information Modelling oder kurz BIM. „Mit dem mehrdimensionalen BIM-Modell sorgen wir dafür, dass alle am Prozess Beteiligten wie zum Beispiel Architekten, Statiker oder Haustechnik immer auf dem gleichen Stand sind.“ Oder die Prozesslandkarte. „Bei dieser schauen wir uns die gesamtheitliche Abwicklung der Projekte vom Grundstückskauf bis zur Gewährleistung an.“ Für jeden Schritt gibt es dabei einen definierten Prozess. Dieser beinhaltet auch einen regelmäßigen Austausch zwischen allen Beteiligten.

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Linda Sehlbach (l.) und Laura Neuhoff.

Bei Bauwens sieht man die Lean-Philosophie auch als Unternehmensphilosophie. Deshalb nimmt jeder Mitarbeiter – vom Personalreferenten bis zum Polier –an der eigenen Lean-Akademie teil. So sollen alle Kollegen die Denkweise verinnerlichen. Aber auch Projektpartner oder interessierte Externe werden eingeladen. Die Akademie findet jetzt schon zum 20. Mal statt. „Das Programm besteht dabei aus einer guten Mischung von Präsentationen, Simulationen und Gruppenarbeiten“, erzählt Neuhoff. Auch ein Besuch auf einer Baustelle steht auf dem Programm, sodass jeder Teilnehmer das Prinzip in Aktion erleben kann.

Mehr Transparenz, Sicherheit und Verlässlichkeit durch Lean-Construction

Durch die konsequente Anwendung der Lean-Philosophie bei Bauwens können wir uns zahlreichen aktuellen Herausforderungen besser stellen. „Durch die Definition unserer standardisierten Prozesse sind wir zum Beispiel in der Lage, diese immer weiter zu digitalisieren und vieles zu automatisieren“, so Sehlbach. Das hilft uns auch, gerade jungen Mitarbeitern früh Verantwortung zu übertragen. „Durch unser Prozesssystem behalten wir unter anderem das Fachwissen langjähriger und erfahrener Mitarbeiter im Unternehmen.“ Durch die immer besser und standardisierte Planung in Kombination mit der Taktsteuerung können wir zudem extrem komplexe Projekte optimal abwickeln.

Um das Lean-Prinzip auch nach außen zu tragen, unterstützt Bauwens auch das German Lean Construction Institute GLCI sowohl durch das Know-How der eigenen Experten als auch als Mitglied. „Es ist unsere Überzeugung, dass wir das Thema deutschlandweit vorantreiben müssen“, erklärt Mattiszik.

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